Auf ehemaligen Friedhöfen durch die Stadt

Im Rahmen eines weiteren Public Walk des Office for Peripatetic Design haben wir ein kollektives urbanes «Island Hopping» durchgeführt. Mit einer bunten Gruppe von gut 20 Leuten haben wir sieben Plätze, Gärten und Parks ausserhalb der historischen Kernstadt von Basel durchstreift. Allen gemein war die Tatsache, dass sie einst Friedhöfe waren – und dass dieser Ursprung heute kaum mehr sichtbar ist. Selten zeigte er sich in vereinzelten Originalmonumenten; mal musste man ihn in Umbauten und majestätischen Bäumen erahnen; allenfalls lieferte ein Flurname den entscheidenden Hinweis. 

Entgegen dem touristisch anmutenden Titel war es keine Genussreise. Um die «Inseln» zu erreichen, mussten wir uns grösstenteils durch die Asphaltwüste kämpfen. In einer 12-km-langen Rundreise haben wir die begehrten Grünräume miteinander verbunden. Die zirkuläre Bewegung hatte einen performativen Zweck: die Übersetzung einer städtischen Form (der Mauer, der Umfriedung) in einen Walk.

Etymologisch ist der Friedhof nichts anderes als ein ummauerter Raum. Damit folgt er einem einfachen (landschafts-)architektonischen Prinzip: der Schaffung von räumlicher Einheit durch die Einfriedung. Die Hypothese des Walks war, dass sich dieses Prinzip auch mit einem temporären Ereignis, dem kollektiven Gehen, umsetzen lässt.

Durch die leibliche Schaffung eines Rings entlang der umgenutzten Friedhöfe haben wir versucht, eine Einheit in der städtebaulichen Vielheit geschaffen. Dabei waren die ehemaligen Gottesäcker von auffallender Diversität. Vom Durchgangsort mit Liegewiese (Elisabethen) zum botanischen Garten, und dem einzigen Park der Stadt, der seinem Namen gerecht wird (Kannenfeld), von der heterotopischen Konzentration vielfältiger Nutzungsangebote (Horburg) bis zur seelenlosen Allmendfläche (Rosental) war alles mit dabei.

Dass just an denjenigen Orten, wo früher die Toten begraben wurden, heute Kinder den Sandkasten umgraben, dass ehemals sakrale Ruhestätten in profane Räume des Lebens verwandelt worden sind, ist ein starkes Zeugnis dafür, dass die Stadt kein festes Gebilde darstellt und keinen Endzustand kennt, sondern in ewiger Wandlung begriffen ist.

Eine Initiative des Office for Peripatetic Design.
In Kooperation mit dem Lokal für Raumbegehung und Open House Basel.

Leave a comment

©2026 Patrick Düblin